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Für Gerhard Richter spielte dieser Gedanke einer unwillkürlichen Ergänzung der fehlenden Farbe in der Imagination des Betrachters eine kaum weniger entscheidende Rolle. In den Zwei Skulpturen für einen Raum von Blinky Palermo von 1971 wird Farbe regelrecht gelöscht. Gipsmasken der beiden Künstler erhielten zunächst einen dicken Farbauftrag, wobei der Pinselduktus betont erhalten blieb. Von den bemalten Masken wurden sodann zwei Bronzeabgüsse gefertigt, die zuletzt einen dünnen grauen Überzug erhielten. Der Überzug löscht die Materialität der Bronze wie auch die ursprüngliche Farbigkeit des Gussmodels, lässt diese aber durch die reliefartig eingeprägte Struktur des Auftrags in Erinnerung immer noch nachklingen. Der stumpfe, "tote" Grauton der Plastiken erzeugt Verunsicherung, negiert er doch neben ihrem spezifischen Gewicht den klassischen warm-metallen Oberflächenreiz der Bronze. Ähnlich, doch ebenso schwer einschätzbar, sind die grau gefassten Wachsmodelle in Pia Stadtbäumers Installation Androgyn/ Gynander, 1993. Das unsichtbar Verborgene bleibt aber unter der Oberfläche nach wie vor existent und kann so die Wirkung des Werkes entscheidend mit bestimmen. Nachdem Andy Warhol 1964 die Fassade eines von Philip Johnson geschaffenen Gebäudes mit Verbrecherphotos der Most Wanted Men gestaltet hatte (einen Artikel von Irit Krygier über das Werk von Andy Warhol lesen Sie hier), ließ er diese nach massiven Protesten der Öffentlichkeit mit silbergrauer Aluminiumfarbe überstreichen, sich dessen sicherlich vollkommen bewusst, dass in der Phantasie der Passanten die darunter liegenden Konterfeis auch weiterhin präsent blieben, wodurch ihre Wirksamkeit und Intensität noch zusätzlich gesteigert wurden.
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