|
|
Ja. Der Grund, warum alle Formen der Herrschaft in der chinesischen Geschichte dem Brauch des Feueropfers feindlich gegenüberstanden, also die kaiserliche, die maoistische und die staatskapitalistische, ist eben darin zu suchen: im anarchischen Element der Verhöhnung unermesslichen Reichtums, der als Verkörperung der Göttlichkeit des Kaisers betrachtet wurde. Dieses Element wird so praktiziert, dass man möglichst unermessliche Berge von Gold, Geld und Werten in Flammen aufgehen lässt, um sie ins Jenseits zu überweisen. Der amerikanische Sinologe Charles Fredric Blake hat auf den Doppelsinn von „mocking“ hingewiesen: Die Papiermodelle sind zugleich als Nachahmung und Verhöhnung zu verstehen, als Simulakrum und Spott. Dem Gespött preisgegeben wurde damit eben auch die echte Zur-Schau-Stellungen und Vernichtung von Werten in den feudalen und staatlichen Prachtbegräbnissen, die einzig der Repräsentation von Macht dienten. Das schiere Übermaß des simulierten Reichtums, der als Papierimitation von normalen Menschen den Flammen übergeben wird, hat neben seinem spirituellen Ernst der Transsubstantiation, also der Übertragung symbolischer Gaben in ein durch und durch materialistische vorgestelltes Jenseits, ebenso spielerische und subversive Momente. Und deshalb bekommen heute auch die westlichen Statussymbole der Markenkultur eine ironische Quittung ab. Oder sind die vielen Luxuswaren in Papier doch nur ein Ausweis der unreflektierten Gier nach Konsumgütern, die die materiellen Existenzhoffnungen des Mittelstandes der westlichen Welt völlig globalisiert hat?
|