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Wie aber emanzipiert die Hybridisierung eigentlich? An erster Stelle dadurch, dass sie die schon etablierten kulturellen bzw. sozialen Identitäten in Frage stellt, sie sozusagen von ihrem Inneren her subvertiert. Das nämlich, was in der Konstituierung einer Identität als ihr Außen oder als das Andere ausgeschlossen, was also sozial marginalisiert bzw. unterdrückt wird, kehrt durch Hybridisierung im Inneren dieser Identität wieder und verändert auf diese Weise entscheidend ihre "Essenz". [3] Die emanzipatorische Wirkung dieser "Wiederkehr des Ausgeschlossenen" liegt nicht in einer Inversion des hierarchischen Dualismus zwischen schwarz und weiß, Kolonisierten und Kolonisatoren, Zentrum und Peripherie, etc. Es ist vielmehr der binäre Charakter der kulturell artikulierten Machtverhältnisse, der durch diese Hybridisierung - durch diese grenzüberschreitende Transkulturation - endgültig außer Kraft gesetzt wird. So erfolgt auch der Widerstand gegen Rassismen, Nationalismen, Fundamentalismen etc. also nicht entlang einer Frontlinie zwischen den Subjekten der Befreiung und den Subjekten der Unterdrückung, sondern durch eine unaufhaltsame Transgression der Grenzlinien zwischen den etablierten Identitäten, die gleichzeitig Linien der Ausgrenzung und Unterwerfung sind. Statt sie von ihrem ausgeschlossenen Außen frontal anzugreifen, klopft Hybridisierung selbst die rigidesten Identitäten in ihrem harten Kern weich, lässt ihre Exklusionsmechanismen in den eigenen Widersprüchen festfahren und aktiviert ihr verdrängtes Inklusionspotenzial. Identitäten sind keine monolithischen Eisblöcke, die man in einem frontalen Angriff zerschlagen könnte, sondern wie ein Germteig: sie wachsen durch den Hybridisierungsprozess über sich hinaus, bis ihre ursprüngliche Form nicht mehr erkennbar ist. [4]
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