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In der "Careva džamija" (Kaisermoschee) sprach der bosnische Großmufti Reis ul-Ulema Husein Kavazović über das politische und religiöse Zusammenleben innerhalb des multiethnischen Staates Bosnien-Herzegowina. Er stellte die heutigen Beziehungen zwischen dem Islam und der katholischen Kirche sowie der jüdischen Gemeinde in Bosnien-Herzegowina als ausgezeichnet dar; die Beziehungen zur orthodoxen Kirche seien jedoch erst im Aufbau. Halbherzige Entschuldigungen und zweifelhafte Deutungen der Geschichte seitens der Orthodoxie in Belgrad seien alles andere als hilfreich. Die eigene Rolle sehe er vor allem darin, sich für ein friedliches Zusammenleben und kontinuierlichen Dialog einzusetzen. Einflüssen eines extremen Islams aus Saudi-Arabien oder Iran würden Grenzen gesetzt, wenn sie mit Toleranz nicht vereinbar seien: „Wir haben auch keine Scheu zu sagen, was für uns unannehmbar ist“. Die Einflussnahme dieser Länder auf Bosnien-Herzegowina hält Kavazović jedoch für gering. Bosnien-Herzegowinas Hauptproblem bestehe darin, dass viele Probleme nur teilweise gelöst worden seien. Vor allem das im Dayton-Abkommen vorgesehene politische System verhindere, dass das Land aus eigenen Kräften auf die Beine komme. Bosnien-Herzegowina sei im Stich gelassen worden, und die internationale Gemeinschaft müsse sich wieder stärker engagieren. Besonders die Erfahrungen Deutschlands – etwa bei der Normalisierung der deutsch-französischen Beziehungen oder der Aufarbeitung beider Weltkriege – seien wichtig für die Region.
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