|
|
Aus dem so gewonnenen Material montiert sie kurze Filme, denen paradoxerweise nichts Eindeutiges anhaftet, obwohl sie auf den ersten Blick von formaler Klarheit und einer gewissen Liebe zum Detail geprägt sind. Die feinen Assoziationsgewebe ermöglichen Reflektionen über komplexe Themen wie Täuschung, Verschwinden, Irrtum oder Zuneigung - ohne dabei allerdings wie theoretische Abhandlungen zu wirken. Schlüters Arbeiten bestechen auch als ästhetisches Erlebnis. So berührt etwa der 2006 entstandene sechsminütige Film Vanished into thin Air auf subtile Weise die existenzielle Erfahrung der Vergänglichkeit. Erfolgreich umgeht er dabei nahe liegende Bildklischees wie etwa welkende Pflanzen, eine niederbrennende Kerze oder bröckelnde Fassaden. Stattdessen nutzt Schlüters eine Reihe kurzer Einstellungen, geflüsterte Worte oder das einfache Trommeln von Regentropfen, um auf einen unheimlichen Umstand aufmerksam zu machen, der die Kunstform des Films in die Nähe des Lebens rücken lässt: Der Film ist - wie die Existenz selbst - auch an die Zeit gebunden. Unabhängig von der Tatsache, dass es in der Filmästhetik unzählige Arten gibt, Zeit zu dehnen oder zu raffen, entspricht ein neunzigminütiger Film tatsächlich der gleichen Zeiteinheit im "realen" Leben.
|