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Eine ganz persönliche Biographie, zusammengesetzt aus Fotografien, die einen Querschnitt der gesamten Bevölkerung des Landes ergeben - so kann man Liu Zhengs 1994 begonnenes Projekt The Chinese beschreiben. Mit einer Mischung aus inszenierten Bildern und Schnappschüssen hat der Fotograf ein Archiv des modernen Chinas angelegt, das an die aufwändigen Dokumentationen von westlichen Ethnologen aus der Frühzeit der Fotografie erinnert. Die 120-teilige Serie, die 2004 auch als Buch publiziert wurde, beschreibt zugleich die sich rapide verändernden Lebensumstände in der Volksrepublik. Immer wieder hat Zheng systematisch Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen dieses riesigen und widersprüchlichen Landes fotografiert. Vor dem Hintergrund der radikalen ökonomischen und gesellschaftlichen Umbrüche, scheint es, als ginge es Zheng um einen "Protest gegen das Vergessen", wie es Eric Hobsbawm formulieren würde. Der von dem britischen Historiker geprägte Begriff beschreibt die Notwendigkeit sich wieder und wieder an Menschen und Ereignisse zu erinnern, um sie im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Zhengs Fotoserie macht genau das - sie verschafft den Menschen auf seinen Bildern, die häufig am Rande der Gesellschaft stehen, einen Platz in der Geschichte.
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