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. Grammatikalisch vereinfacht sind oft auch Fachjargons, obwohl sie reich im Wortschatz sind (z.B. Luftfahrtenglisch). Vollständige Sprachen, die auf der Grundlage von menschlichen Sprachen geschaffen werden, nennt man A-posteriori-Sprachen. Währenddessen nennt man Sprachen, die auf der Basis von philosophischen Systemen, der Logik, Symbolen, dem Klang und ähnlichem konstruiert werden, A-priori-Sprachen. Die gleichen gewaltsamen Jahrhunderte, die unter der Geißel der nationalistischen Sprachplanung und der Unterdrückung von kulturellen Minderheiten gelitten haben, sahen auch den Beginn einer Gegenbewegung, der Schaffung kulturell offener A-posteriori-Sprachen mit einer humanistischen Agenda. Das erfolgreichste dieser Projekte, Esperanto, wurde 1887 ins Leben gerufen. Es bezieht seine Wörter und das Lautsystem aus bereits existierenden, hauptsächlich den romanischen, Sprachen. Zugleich hat es eine völlig regelmäßige Grammatik und ein Affixsystem, das es erlaubt, den Wortschatz zu vergrößern. Trotz seiner Regelmäßigkeit und seiner Fokussierung auf interkultureller Kommunikation ist Esperanto seitdem zu einer normalen Sprache herangewachsen, in dem Sinne, dass es Muttersprachler und Dichter hat und neue Begriffe aufnimmt, wie jede andere Sprache, als Lehnwörter oder durch kreative Sprachanwendung seiner Sprechergemeinschaft. Dies mindert den Einfluss weiterer Sprachplanung durch eine Akademie, die genauso ohnmächtig ist wie die Französische Akademie (Académie Française). In diesem Sinne ist Esperanto heutzutage weniger eine Plansprache als z.B. Neunorwegisch, das einer konstanten Sanierung bedarf, um seine Identität zu wahren.
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