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Die unabhängige und verantwortliche Tätigkeit menschlicher Wesen wird in der ayurvedischen Tradition im Allgemeinen im Zusammenhang mit Fragen des angemessenen Verhaltens und Handelns betont, sei es im Kontext der Erhaltung der Gesundheit, des adäquaten religiösen und ethischen Betragens oder des kulturell schicklichen Verhaltens überhaupt. Allerdings sind den menschlichen Bemühungen, insbesondere denen der Ärzte, Grenzen gesetzt. In der Carakasaṃhita wird festgehalten, dass es während des Auftreten von Epidemien zwar möglich ist, Menschenleben zu retten, dass aber jene Menschen, denen es infolge ihrer Übeltaten in früheren Leben bestimmt ist, zu sterben, nicht gerettet werden können. Schon die abnormalen Veränderungen der Umwelt, von denen man annahm, dass sie zu Massensterben führten, werden durch Überschreitung oder Missachtung der sozio-religiösen Normen (dharma) seitens der lokalen Herrscher und der lokalen Bevölkerung verursacht. Löst man eine derartige Auffassung von ihren religiösen Konnotationen, ist sie nicht so überholt oder archaisch, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag, sind doch viele so genannte »Naturkatastrophen«, an die sich Massensterben anschließt, tatsächlich durch lokal und global stattfindende Eingriffe in die Umwelt bedingt, wobei es sich, wenn man so will, um eine Form der Überschreitung von »natürlichen Normen« handelt.
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