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Die hier vorgelegte Studie unternimmt, anknüpfend an früher durchgeführte Forschungen und Expertisen zum Altern in der Stadt sowie auf Grundlage einer Analyse amtlicher Bevölkerungsdaten, eine Potentialabschätzung der sozialräumlichen Verteilung des Alters in Wien. Dieses Forschungsziel ist aus mehreren Gründen relevant: Zum einen besteht heute Konsens, dass es Menschen möglich sein soll, möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld leben und wohnen zu können. Für die international viel diskutierte Frage nach den daraus resultierenden Anforderungen an die Anpassung der individuellen Wohnung, die Ausstattung der Wohnviertel und das Handeln von Stadtplanung und Stadtpolitik bedarf es wissenschaftlich gesicherter Argumentationsgrundlagen, und zwar in Hinblick sowohl auf die räumliche als auch die soziale Struktur der demographischen Entwicklung sowie konkret in Bezug auf die Schätzung an individuellem Wohnraumbedarf für ältere Menschen. Dabei erweist es sich als entscheidend, den Struktur- und Generationenwandel des Alters als Ausgangspunkt zu nehmen. Damit sind Prozesse der Ausdifferenzierung des Alters und Alterns gemeint, die sich in neuen Lebensphasen oder neuen Formen der Lebensführung niederschlagen können, aus denen heraus wiederum veränderte Ansprüche an das Alter(n), im Speziellen an das Wohnen im Alter erwachsen. Wurde das Thema Wohnen im Alter lange Zeit vorrangig unter dem Blickwinkel von Betreuung und Pflege thematisiert, sind die Wohnsituation und Wohnbedürfnisse der jungen Alten (55-69) und Älteren (70-80-Jährige) heute primär unter dem Gesichtspunkt des aktiven Alterns zu sehen, d.h. eines insgesamt verlängerten und überwiegend gesunden Alterns, mit Wohnen als Gegenstand aktiver Lebensgestaltung. Die Anforderungen an altersgerechtes Wohnen bei Pflegebedürftigkeit und funktionsbeeinträchtigender Erkrankung verlagern sich in die Phase der Hochaltrigkeit („Kompression der Morbidität“), wobei die unterschiedlichen Lebenserwartungen zwischen Frauen (aktuell 82,4 Jahre) und Männern (aktuell 77,3 Jahre) mit zu berücksichtigen sind. Auf der anderen Seite begünstigt der allgemeine Gesellschaftswandel (hohe Scheidungsraten, neue Familienformen, Bildungsaufstieg, Strukturwandel der Arbeit, Erosion des Normalerwerbsverhältnisses, Migrationsprozesse etc.) nicht nur eine Pluralisierung der soziokulturellen Milieus und Lebensstile, von Wohnformen und Wohnvorstellungen (auch im Sinne des Slogans ‚die 68er werden 68‘), sondern zugleich die Herausbildung neuer un
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