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An activist from Syria, member of the artist collective, talks about the background of their action, how they had found the families of the victims, why they had brought the bodies to Berlin. He is serious and smiling, simultaneously fragile and forceful, laughing relieved after each paragraph of his speech; the accumulating affects, articulated in this speaking, are contagious.
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Darauf wartend, dass der Trauermarsch beginnt, legt sich eine seltsam stille Atmosphäre über die Menschenmassen. Ein Aktivist aus Syrien, Mitglied des Kunstkollektivs, erzählt über den Hintergrund der Aktion, wie sie die Familien der Opfer fanden, wieso sie die Leichname nach Berlin brachten. In aller Ernsthaftigkeit lacht er erleichtert auf, sobald er einen Paragraphen seiner Rede verlesen hat. Die akkumulierenden Affekte, die sich in seinem Sprechen artikulieren, wirken ansteckend. Niemand rührt sich, niemand spricht, alle lauschen ihm. Auch wenn heute keine Leichname beerdigt werden, die Idee einer Beerdigung entfaltet sich in ihrer performativen Kraft. Dann, im Laufen, verwandelt sich der Zug wieder zu einer gewöhnlichen Demonstration. Es erschallt keine Musik, doch der traditionelle Antifa-Block schreit die standardmäßigen Slogans, die leicht den Punkt verfehlen – während alle erschienen sind, um denjenigen zu gedenken, die auf ihrem Weg nach Europa gestorben sind und ermordet wurden, wird in den Slogans Bleiberecht gefordert. Doch man muss es nach Europa schaffen, um für das Recht zu bleiben kämpfen zu können. Die Reichstagswiese ist voller Protestierender, die Polizei versucht, sie vom Gelände zu drängen, nennt es ein Verbrechen, ein symbolisches Grab zu schaufeln. Alle drängeln zurück, verharren auf der Wiese, schreien ‚Grabschänder’ in Richtung Polizei, und inmitten der Rangeleien geben alle auf die Gräber Acht, rücken die Blumen und die Kreuze zurecht. Und die symbolischen Gräber wachsen aus dem Boden, auch in entlegenen Winkeln in Deutschland, überall in Europa, an anderen, an zukünftigen Orten.
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