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Die heutige Individualisierung ist das Ergebnis und gleichzeitig die Quelle einer gesellschaftlichen Ordnung, in der, wie Zygmunt Bauman sagt, der Mehrwert der „vereinten Kräfte“ nur schwer erkennbar ist. Kollektivität finden wir heute eher dort, wo es um Freizeit und Identitätsbildung geht. Es ist nicht notwendig, der Beste zu sein, es reicht, dabei zu bleiben und anerkannt zu sein. Es gibt unzählige soziale Rollen, in die der Einzelne schlüpfen kann, und nur ein kleinerer Teil davon setzt sich in Relation zur Beschäftigung. Das Sozialleben dreht sich heute nicht um Arbeit, sondern um Konsum im weitesten Sinne des Wortes. Die Bedeutung des Einzelnen in der Gesellschaft hat bereits vor längerer Zeit angefangen zuzunehmen. Da eine tiefergehende Betrachtung hier den Rahmen sprengen würde, konzentrieren wir uns nun auf die letzte Phase dieser Entwicklung, die Laschs Begriff der Narzissmuskultur am besten beschreibt. Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass der narzisstische Mensch von Selbstliebe beherrscht wird. Im Gegenteil: In einer Zeit, in der ein Individuum nicht mehr in eine Welt mit vorgeschriebenen Rollen und engen familiären Bindungen geboren wird, hängt es allein von ihm ab, was aus ihm wird. Er ist „zur Freiheit verurteilt“. Er muss seine Identität erst selbst schaffen, deshalb empfindet er persönliche Leere und einen starken Drang, mit der Welt zu verschmelzen. Durch das Konsumieren der Welt, das immer unbefriedigender wird, versucht er, nicht Selbstliebe, sondern Selbsthass zu verbergen, vergeblich nach der verlorenen Einheit mit dem Mutterleib und dem Gefühl der Allmacht aus der Zeit des „Spiegelstadiums“ suchend, in der sich das Kind darüber bewusst wird, nicht Eins mit der Welt zu sein. Indem der narzisstische Mensch Erfahrungen sucht, in denen sich das „Sein“ gegenüber dem „Haben“ durchsetzt und die Anhäufung von Dingen in erster Linie dem Aufbau einer Identität dient, versucht er, die Leerstelle der Selbstverwirklichung zu verdecken. In einer narzisstischen Kultur ist alles Gegenstand der Reflexion, alles muss mit anderen geteilt werden. Jaromír Volek sagt, dass Kommunikation an sich zu einer sozialen Tugend geworden ist. Diese Dynamik lässt sich leicht am Beispiel der neuesten Kommunikationsplattformen wie den social media (Facebook, MySpace …) darstellen, obwohl sie hauptsächlich bei „normalen“ Menschen in den Massenmedien, wie oben beschrieben, zum Ausdruck kommt. Auch personal media wie Blogs haben „traditionelle“ Vorfahren.
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