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Und jetzt? Vielleicht fürs erste mehr Liebe zum Melodramatischen entwickeln. Weil es von der Unfähigkeit handelt, in die Katastrophe einzugreifen. Das wäre doch auch einmal eine Leidenschaft, mit der sich die Linke beschäftigen könnte. Ich wende mich also an die Linke: Wie reproduziert sich die Macht in den Praktiken der Befreiung? Spannendes Thema. Das Melodram arbeitet mit dem großen Gefühl des ES-IST-ZU-SPÄT, die Wendung war möglich, aber nun ist die Gelegenheit vorbei, Musik, großes melancholisches Gefühl des Verlusts, der weder Konsequenzen zeitigt noch betrauert wird, sondern verinnerlicht. Immer wieder die Slow-motion-Abfahrt: "If only you could have recognized what was always yours." Obwohl die Wendung möglich gewesen wäre, nahm das Unglück, die gesellschaftliche Trennung, der Unfall, der Tod, die Niederträchtigkeit ihren Lauf. Und gleichzeitig verspricht das Melodram den plötzlichen Umschwung, das Glück, dass mit einem Schlag eine andere Zeit eintreten könnte, ein anderes Schicksal. In diesem Sinne ist das Melodram messianisch. Genauso wie es kapitalistisch ist, indem es das große Versprechen verdealt: Du kannst es schaffen, aber nein, doch nicht. Und dann fließen die Tränen zum Abspann des Melodrams, um sich mit gesellschaftlicher Passivität, mit Leiden, mit Handlungsunfähigkeit zu versöhnen. Sie fließen aber auch aus dem leidenschaftlichen Gefühl, die Verbindung zwischen Alltagsleben und Macht zu spüren. Das ist die Geburt der weinenden Revolutionärin. Hier beginnt Fassbinders Erinnerungsvermögen, der großes Gefühl, Enttäuschung, Verrat und Sozialkritik verschränken wollte. Ein bisschen manisch und repetitiv. Zugegeben. Beginn des Screenings. Tränen. Schluss (Anfang).
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