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KT: Die Relationale Ästhetik war vermutlich wichtig in der Zeit, als sie aufkam, vor über zwanzig Jahren, zu Anfang der 1990er-Jahre. Nicolas Bourriaud hat seinen Text zur Relationalen Kunst 1996 verfasst, und alle Protagonisten dieser Kunstrichtung, wie etwa Rirkrit Tiravanija, Philippe Parreno oder Carsten Höller, sind heute etablierte Künstler. Meine Generation ist von ihren Vorstellungen beeinflusst, gleichzeitig sind wir uns aber der Probleme, die mit diesen Vorstellungen verbunden sind, bewusst. Es heißt ja oft, dass sich der Kontext der Relationalen Kunst auf bestimmte Personen aus der Kunstszene beschränkt hat. Jetzt, zwanzig Jahre später, glaube ich, dass sie sich mehr in Richtung Aktivismus bewegt, weil es beim Aktivismus wirklich auch um Teilnahme geht. 2012 gab es in Japan große Anti-Atomkraft-Demonstrationen und auch die Demos gegen die jüngsten Entwicklungen der Verteidigungspolitik werden jetzt richtig groß. Viele junge Menschen nehmen daran teil und bringen sich ein. Einige von ihnen setzen dabei Videos, Plakate und Musik als wichtige Elemente in ihren Aktionen ein. Ich glaube, einer der positiven Aspekte an solchen neuen Formen von sozialem Aktivismus ist der, dass sie wirklich etwas bewegen, und wir sehen ja bereits, dass das passiert. Meiner Ansicht nach ist die Kunst immer langsam. Politische Aktion ist eine schnelle Reaktion auf etwas, aber die Kunst ist langsam, sie braucht ihre Zeit. Ich glaube, dass Kunstaktivismus ebenfalls langsam ist, weil er eher einer symbolischen Handlung gleichkommt. Er kann Situationen nicht postwendend verändern und beeinflussen. Gleichzeitig dauert er aber länger als die direkte Aktion an. Das ist vielleicht einer der Gründe, aus denen ich mich für partizipatorische Kunst im Sinne von Kunstaktivismus interessiere.
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