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Ausgrenzung heißt keineswegs, eine Position im Jenseits einzunehmen, also mit dem, was „läuft“, überhaupt nichts mehr zu tun zu haben. Ganz im Gegenteil: Es handelt sich eher um ein Abseits, um eine Dazugehörigkeit – allerdings außerhalb der zulässigen „Spielregeln“. Die Taktik, die dabei Anwendung findet, ist die der Unsichtbarmachung. Den Roma insgesamt wurde lange Zeit in Österreich – und die Situation in anderen nationalstaatlichen Gebilden ist nicht sehr unterschiedlich – eine legitime Existenz verweigert. Das heißt, indem sie als die „Anderen“ stigmatisiert wurden, wurde ihnen vom System, per Gesetz, also im Rahmen des vorherrschenden polizeylichen Ordnungsregimes, ein Recht auf eine rechtlich und öffentlich anerkannte Existenz verweigert. Diese Form der Beherrschung wäre, würde es sich nur um eine Repressionstechnik handeln, das heißt, hätten die Roma nur mit einer gewaltsamen Unterdrückung zu tun, eine klar erkennbare und könnte damit eine ebenso klare GegnerInnenschaft hervorbringen. Nun haben die Formen der Beherrschung der UntertanInnen in der Moderne aber einen anderen Charakter angenommen, denjenigen der Gouvernementalität. Das heißt, die Bevölkerung und bestimmte Bevölkerungsgruppen werden mit gesonderten Maßnahmen dazu gebracht, selbst zu AkteurInnen der eigenen Beherrschung zu werden. Die Herrschaft mutiert zur Selbstherrschaft, die Fremdherrschaft wird durch die Selbstbeherrschung überboten. Die Beherrschten sind diejenigen, die selbst dazu beitragen, unsichtbar und innerhalb der ihnen vorgezeichneten Rahmenbedingungen mit dem zufrieden zu sein, was ihnen zusteht.
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