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Es mag den Anschein eines Mangels an Ernsthaftigkeit erwecken, angesichts der akuten Probleme der Biokolonisierung Seemannsgarn zu spinnen, doch die Aufarbeitung des Diskurses, den die PromotorInnen der Gentechnologie und der Patentrechte von handelsbezogenem geistigem Eigentum über ihre Unternehmungen führen, erweckt den durchaus ähnlichen Eindruck zu, dass dabei viel Seemannsgarn versponnen wird. Im Versuch, einigermaßen systematisch vorzugehen, werde ich zunächst das enge Verhältnis von Zeichentheorie, Problematiken des Übersetzens und Molekulargenetik beleuchten. Das ist ein einigermaßen riskantes Unternehmen: Ich bin weder Biologe oder Chemiker, auch lässt sich nicht mit überzeugender Sicherheit feststellen, ob das Meer der Zeichen, in dem dieses Unternehmen stattfindet, bereits vollständig ausgelotet oder zufrieden stellend kartografiert ist. Es ist, um bei diesem Bild zu bleiben, aufgewühlt und schlägt enorme Wellen, daher gilt es bestimmte Leuchtturmsignale im Blick zu behalten, um nicht an den ersten Untiefen zu scheitern. Es geht im Folgenden, darauf möchte ich deutlich hinweisen, nicht darum zu beschreiben, was bei der Entstehung des Lebens im Inneren einer Zelle passiert, sondern vielmehr um die Frage, was bei der Beschreibung dieser Prozesse innerhalb des molekulargenetischen Diskurses passiert. Da für dieses Abenteuer kein außerweltlicher Standpunkt zur Verfügung steht, schlage ich vor, den Entwurf einer Philosophie der Zeichen von Valentin Vološinov als Navigationshandbuch zu benutzen, um im Zeichenmeer nicht verlorenzugehen.[1]
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