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The essential points of origin of this life, formed by travelling and the ceaselessly renewed discovery of the art of the 20th century, are known: the boring childhood of an only child trying to free himself from his too conventional family, aloof from the extraordinary cultural flourishing of the time – the Berlin of Max Reinhardt and Bertolt Brecht, the experimental cinema of F. W. Murnau and G. W. Pabst, the New Objectivity of the 1920s, a whole world as evoked by Alfred Döblin in his novel-like fresco Berlin Alexanderplatz.
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Heinz Berggruen, mein Vater, wurde 1914 kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Berlin geboren. Schon in der Kindheit war es sein Wunsch, eine der Kunst gewidmete Laufbahn einzuschlagen. Dieser Vorsatz sollte auf immer seine Existenz verändern: er entdeckte nämlich die europäischen Avantgarden seiner Epoche. Von diesem Leben, das geprägt wurde durch zahlreiche Reisen und die ständig erneute Entdeckung der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts, sind die wichtigsten Anhaltspunkte bekannt: die langweilige Kindheit als einziger Sohn, der versucht, sich von einer allzu konventionellen Familie zu befreien, die eher abseits stand von der außergewöhnlichen kulturellen Blüte der Epoche der Zeit - dem Berlin von Max Reinhardt und Bertold Brecht, dem experimentellen Film von F.W. Murnau und G.W. Pabst, der neuen Sachlichkeit der zwanziger Jahre, abseits von einer ganzen Welt, wie sie Alfred Döblin in seinem Romanfresko Berlin Alexanderplatzevoziert. Diese erdrückende Stadt, die ebenso eine Stadt der Bohème war wie eine des Handels und die allzu schnell ins zwanzigste Jahrhundert gelangt war, vermittelte meinem Vater den Sinn dafür, eine Bestimmung zu haben, die der Achtbarkeit seiner assimilierten jüdischen Eltern zuwiderlief. Er brach auf, um in Frankreich Literatur zu studieren, zuerst in Grenoble, dann in Toulouse. Als er einige Jahre später nach Berlin zurückkehrte, stand Deutschland unter der Herrschaft des Nationalsozialismus. Angesichts eines Landes, das die Beute von neuen Dämonen war, die weitaus schlimmer waren als die der Jahre der Weimarer Republik, erkannte er bald, dass es dort für ihn keine Zukunft gab. Da entschied er, sich für ein Stipendium für eine höhere Universitätslaufbahn an der Universität von Berkeley in Kalifornien zu bewerben. Es folgten Jahre der Isolation, der Armut, aber auch erste Begegnungen mit Künstlern. 1939 bot man ihm eine Assistentenstelle bei dem mexikanischen Maler Diego Rivera an, der für die Weltausstellung nach San Francisco gekommen war. Es war für Heinz Berggruen die Gelegenheit, eine Retrospektive der großen gesellschaftsbezogenen Fresken des Malers im San Francisco Museum of Art zu organisieren. Wenig später hatte er eine leidenschaftliche Liaison mit der Ex-Frau von Rivera, Frida Kahlo – eine Liaison, die nach der Ankunft des verarmten und zudem unbeständigen Paares in New York bald endete. Berggruen unternahm erste Schritte als Journalist bei der San Francisco Chronicle, danntrat er in die amerikanische Armee ein und
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