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Als Vorbereitung auf diese Konferenz nahm ich einen viel zitierten Text, Foucaults Was ist Kritik?, setzte mich in ein Café und las das kleine Büchlein erneut und in einem Zuge durch. Der Zufall wollte es, dass neben mir zwei Frauen saßen, die sich unschwer, das konnte ich den ersten Gesprächsfetzen entnehmen, als Tochter und Mutter erkennen ließen. Die beiden befanden sich in einem Zustand, den man vielleicht als post-pubertäre Krisensituation beschreiben müsste. Was immer die Mutter sagte, ob es Ratschläge, Kommentare oder Versuche waren, sich der Tochter als Freundin, als elterliche Autorität oder als Fremde zuzuwenden, sie erntete erbitterten Widerstand. Die Tochter versuchte der Reihe nach, der Mutter ebenbürtig, erwachsen, besserwisserisch, gelangweilt und gelassen zu begegnen. Sie war aber vor allem das Eine: genervt. Und beschäftigt mit einem Unterfangen, das man vielleicht als Versuch beschreiben könnte, sich nicht so regieren zu lassen, nicht dermaßen und nicht auf diese Weise regieren zu lassen, von ihrer Mutter, ihren Eltern, ihrer Umwelt, von der Gesellschaft, ihren Lehrerinnen und Lehrern, der Schule, der Ausbildungsstätte, den Normen und Vorgaben, die ihr Leben in bestimmte Bahnen zu lenken suchten.
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