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Ich glaube, nicht einmal ich hatte den Sinn dieser Bilder verstanden, als ich mich zum ersten Mal mit den Ringern traf. Das war nicht die Art von Jungen, die ich zu meiner High-School-Zeit kannte. Im Grunde waren sie mir so fremd wie Deutsche. Als ich am College war, hing ich in dem Club CBGB auf der New Yorker Bowery rum, und ich stand auf Moshpit Dancing, diese gewalttätigen Tänze bei Punk-Konzerten. Die Ringer habe ich alle in einem großen Übungsraum fotografiert. Dort waren vielleicht 50 Kids versammelt. Ich manövrierte die ganze Zeit zwischen rund 22 ringenden Paaren, und es fehlten nur Zentimeter und sie hätten mich umgehauen. Indem ich mich die ganze Zeit in diesem fast 40 Grad heißen Raum hin und her bewegte, fühlte ich mich, als ob ich ihre Aktivitäten spiegeln würde, so dass der Akt des Fotografierens sich wie ein Tanz oder ein Kampf anfühlte. Mit diesen Arbeiten wollte ich den Betrachter nicht außerhalb sondern direkt in der Situation platzieren. Als ich dann die Aufnahmen bearbeitete, habe ich jedoch versucht, meine Protagonisten aus der Realität des Ringens wegzubewegen, um sie stattdessen mit religiöser Malerei in Verbindung zu bringen. Denn mir fiel auf, dass die Jungen eine Art transzendentaler Erfahrung durchmachen mussten, um dieses intensive physische Training durchzustehen. Eine Erfahrung, die fast an eine Vision erinnerte. Die Performer in diesem Projekt waren Ringer, aber sie waren sich der Fähigkeit der Kamera bewusst, sowohl das erhöhte Gefühl von Realität in diesem Raum zu verstärken als auch die abstrakte Form, in der sie selbst Raum und Bewegung erlebten. Eine dieser Arbeiten nannte ich Lives of Performers, nach einem Werk der Choreografin und Filmemacherin Yvonne Rainer. Darin sieht man einen Jungen namens Romano, wie er eine Dehnübung macht, die "Brücke" genannt wird. Dieses Foto handelt für mich von der Ekstase, die man spürt, wenn man eine Verwandlung durchmacht. Rainer hat sehr eloquent darüber gesprochen, dass es ihr darum gehe, das Spektakel, das der Körper eines Tänzers kreiert, zu entmystifizieren. Für mich dagegen ist Mystifizierung etwas, dass ich lieber erforschen als verdrängen würde. Aber auch mich zieht der Versuch an, den Performer zu vermenschlichen und die starke Kluft zwischen Bühne und Publikum zu überwinden.
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