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Zu den Opfern zählen wir gewöhnlich die Personen, die während einer Gewalttat gestorben sind, im Fall von Guatemala bezieht man sich meist auf Opfer von außergerichtlichen Hinrichtungen, Folterungen, Entführungen oder Massakern. Selten bezieht man sich auf die Überlebenden dieser Ereignisse, auf Männer und Frauen, Väter und Mütter, die auf der Suche nach ihren entführten Söhnen und Töchtern erfolglos Krankenhäuser, Kommissariate, Gefängnisse, Militärkasernen und versteckte Gräber absuchen. Die, die zu Witwen und Waisen geworden sind, werden nicht erwähnt, ebenso wenig wie diejenigen, die um den Tod „herumgekommen“ sind und vor den Repressionskräften in die Berge geflüchtet sind, die den Verfolgungen in Flussbetten und Schluchten entronnen sind, die dem Regen, der Kälte und dem Hunger ausgesetzt ihre Leben verteidigt haben. Tausende Personen kamen angeschossen in ihre Dörfer zurück, nachdem sie versucht hatten, die Reste des Todes wegzuschaffen; viele versuchen, die Bilder des Terrors auszulöschen, sich der Erinnerung zu entziehen; sie, die Überlebenden, sind ebenfalls Opfer. Nach den anthropologischen Befunden begleiten wir auch einfache und respektvolle Begräbnisse der gefundenen Reste, begleiten die aufgerüttelten Gemeinschaften, die nun ZeugInnen von Akten der Wahrheit sein wollen, von anständigen, gerechten und würdigen Begräbnissen; Gefühlsmischungen am Rande geschmückter Gräber, Monumente der Wahrheit, des Glaubens, des Durchhaltevermögens der Lebenden und Toten. Unter den Opfern dürfen wir jene nicht vergessen, die den Terror erlebt haben und ihn verschweigen mussten, die lebten und ihn verborgen haben, die litten und ihre Geschichte verleugnet haben.
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