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Allerdings möchte ich, um zu einem Ende zu finden, abschließend genau das Gegenteil dessen behaupten, was ich gerade gesagt habe. Es gibt in der Tat eine Möglichkeit, direkten Zugang zum Antagonismus zu finden (wenn auch nur im Ausnahmefall). Auf diese Möglichkeit weist in der Psychoanalyse ein weiteres Konzept hin, das sorgfältig vom Konzept des acting out unterschieden werden muss: das Konzept des "passage à l'acte". Die Differenz besteht darin, wie es Jacques-Alain Miller klar gemacht hat, dass acting out - wie etwa bei Melodramen - immer auf einer Bühne stattfindet, unter den Blicken des Anderen. So können wir, Miller zufolge, nur dann von acting out sprechen, wenn es eine Bühne gibt, auf der das Subjekt vor einem Publikum zu agieren beginnt.[31] Doch im Fall eines passage à l'acte ist das Subjekt nicht mit dem eigenen Agieren oder Handeln konfrontiert, sondern mit dem Akt im radikalen Sinn. Eine Bühne gibt es nicht mehr. Jeder Akt, der diesen Namen verdient, besteht für Miller in der Überschreitung eines Codes, eines Gesetzes, eines symbolischen Ganzen. Das Subjekt riskiert, den Anderen (das Symbolische, bzw. die zum Publikum versammelten anderen) hinter sich zu lassen. Es entkommt jeder Dialektik, jeder Ambivalenz des Denkens, des Wortes, der Sprache und Rede. Es handelt sich beim Akt, wie Miller sagt, um ein dem Anderen entgegengeschleudertes Nein. Das lässt sich tatsächlich nur verwirklichen, indem man von der Bühne springt und das Theater verlässt. Doch da kein Subjekt weit genug springen kann, um gleichsam den Bühnengraben zu überwinden und das andere Ufer der Nicht-Bühne zu erreichen, fällt es in einen Abgrund. Jeder wahre Akt ist eine Überschreitung, aber wahre Überschreitung ist unmöglich (weshalb das Modell sich signifikant von jenem Bachtins oder anderer Freunde der Transgression unterscheidet, die den ersten Teil des Satzes wohl unterschreiben, den zweiten aber empört zurückweisen würden). Sie ist, aus psychoanalytischer Sicht, unmöglich - außer in einem einzigen Fall: im Selbstmord.
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