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Bereits diese von afrikanischer, "primitiver" Kunst beeinflussten Skulpturen, ihre rätselhaften Zeichnungen und die frühen, an Art Brut erinnernden Gemälde von geisterhaften Frauen, die in Häusern gefangen sind, lassen bedrückende Einsamkeit und Verlust anklingen. Und da ist eine Dringlichkeit, die noch Jahrzehnte später Künstlerinnen wie Tracey Emin oder Kiki Smith zu Fans macht. Ihre Kunst, hat Bourgeois einmal gesagt, drehe sich um das, "was schief gelaufen" sei. Und schon lange bevor die 68er Generation das Private zum Politischen erklärt, erforschte Bourgeois sich und ihre zerrüttete Familie, sezierte mit atemberaubender Schonungslosigkeit die weibliche Psyche und Sexualität. Doch bis zu ihrem Durchbruch musste sie sehr lange warten. Nach ersten Erfolgen wurde sie vom männerdominierten Kunstbetrieb der Fünfziger ignoriert es folgte eine Zwangspause. Der Rückzug auf die eigene, ambivalente Welt brachte alles wieder hervor: die Eltern, die Kinder, die Kleider mutiert zu Freudschen Nachtmahren und Kunstfetischen. Neben dem Latex-Ständer mit den dicken Hoden, den Bourgeois Filette (kleines Mädchen) taufte und sich auf der legendären Fotografie von Robert Mapplethorpe fröhlich unter den Arm klemmte, entstanden andere Arbeiten, die sich in das Gedächtnis der Gegenwartskunst eingebrannt haben: die klaustrophobischen Gefängniskäfige, die Cells, die sie seit den frühen Neunzigern mit Kleidern, Spiegeln, Gläsern, Wachsfiguren und anderen Fundstücken als mysteriöse Gefühls- und Grabkammern ausstattete. Oder Janus Fleuri, eine gesichtslose, doppelköpfige Bronze-Larve, die wie eine Kreuzung aus Penis und Klitoris wirkt. Auch in der Sammlung Deutsche Bank war Bourgeois mit ihrer Serie 10 am is when you come to me (2006) vertreten, für ArtMag gab sie 2004 eines ihrer seltenen Interviews.
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