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2. …Mein Freund schrieb mir um Mitternacht – „ich esse Möhren, - weißt du, es ist irgendwie seltsam, Möhren zu essen“. Als ich mich in der Menge von Menschen wiederfand, die verschiedene Zeitschriften produzieren, zum Großteil Mode und Design betreffend und – oh ja! – beauty things that make people pretty, stylish and totally cooooool!..., mit dem Bewusstsein, zerknüllte 100 Euro bezahlt zu haben für die bloße Möglichkeit, unter ihnen zu weilen, konnte ich das Gefühl nicht mehr loswerden, dass es „irgendwie seltsam“ ist. Als ich unser gemeinsames Redaktionsfoto unmittelbar im Zentrum der Ausstellung erblickte, dachte ich, dass niemand von meinen geschätzten Kollegen, einschließlich des Herausgebers, diese Präsentation - darunter unsere Zeitschrift, eindrucksvoll elegant an einer Metallschnur von der Wand herabhängend - zu Gesicht bekommen hätte. Ich genauso wenig, wenn die Umstände sich weniger passend ergeben hätten. Die in der Ausstellung vorgestellten Zeitschriften betrachtend, komme ich zu dem wenig tröstenden Schluss, dass im Großen und Ganzen der Interessensschwerpunkt auf Teenagern beider Geschlechter liegt, auf dem, wie sie an- oder ausgezogen sind. Ein Punk-Spiel, bei dem, zum Zwecke der Glaubwürdigkeit, bescheidene Elemente des anständigen (decent) Schmutzes hinzugefügt sind, Studioaufnahmen, die vorgeben, alltäglich zu sein, von maskierten Geschlechtsorganen und allem, was als der Sexualität zugehörig dargestellt werden kann. Bedauerlicherweise gibt es dort keine Möhren. Sondern immer nur dieselben ungenießbar-langweiligen Erdbeeren mit Sahne. Luxemburg, 14.03.2009
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