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Die kommunistische Reinterpretation des conatus verbindet Negri mit einer Reinterpretation des Marxschen Begriffs der Arbeitskraft. Unter Umgehung der werttheoretischen Definition abstrakter Arbeit entnimmt er den Grundrissen eine Bestimmung von Arbeitskraft als nacktem Vermögen und negativem Universal, das in allseitig entfaltete Positivität umschlagen wird – eine radikale Entindividualisierung, die eine radikale Individualisierung in sich trägt: Negativ und historisch gesehen, erklärt Marx in den Grundrissen, ist Arbeitskraft absolut enteignet: „Nicht-Rohstoff, Nicht-Arbeitsinstrument, Nicht-Rohprodukt: die von allen Arbeitsmitteln und Arbeitsgegenständen, von ihrer ganzen Objektivität getrennte Arbeit“;[16] positiv und ontologisch gesehen aber, verkörpert „diese absolute Armut“ die „allgemeine Möglichkeit des Reichtums als Subjekt und als Tätigkeit“.[17] So, wie Negri dem Sein ein immanentes Telos einschreibt („unendlich ausgerichtet auf die unendliche Vollendung“), erkennt er auch in der kapitalistischen Produktionsweise eine teleologische Entwicklung, mit der bloßes menschliches Vermögen – sprechen, improvisieren, kooperieren, erfinden – zur zentralen Produktivkraft postfordistischer Regulation geworden sei. Arbeitskraft ist damit kein variables Kapital mehr, das den Mechanismen von Disziplin und Verwertung untersteht, sondern hat sich seit dem Anbruch „der dritten Periode kapitalistischer Produktionsweise nach der Manufaktur und der großen Industrie“[18] durch Inkorporation der Arbeitsmittel autonomisiert.[19] Das heißt, ein derealisiertes Kapital, das nur noch eine bloße Raubmaschine darstellt, tritt einem substanzialisierten Vermögen lebendiger Arbeit gegenüber. Damit sieht Negri die Extremität des Eschaton sich nähern. Die Zeit bricht an, die die Zeit braucht, um an die Schwelle der Ewigkeit zu rühren: Wir bewegen uns Negri zufolge auf den außerordentlichen Moment zu, an dem Ontogenese, Anthropogenese und kapitalistische Entwicklung konvergieren. Kommunismus kann für Negri aus dieser Konvergenz in Form einer sich selbstaffizierenden und selbstvermehrenden Gemeinschaft der Tätigen hervorgehen, die ohne konfliktuelle Teilung existiert, da in ihr Nichtübereinstimmung, Äußerlichkeit und Tod abwesend sind. Im Zuge dieser Lektüre von Marx mit Spinoza kehren idealisierende, essenzialistische, anthro-ontologische und Tendenzen qua Periodisierung universalisierende Argumentationen in den Marxismus zurück, die vom (Post-)Althusserianismus seit den 1960er J
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