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Bedienen könnte man sich dabei aus dem Fundus eines literarischen Genres, dessen Wurzeln in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts liegen und das die Welten, die Big Data möglich machen könnte, vor unseren Augen ausbreitet: dem Cyberpunk, jener Spielart der Science Fiction, in der sich die raue Lebenswirklichkeit einer nahen, volltechnisierten Zukunft mit Wucht vor deren logische Erklärung schiebt. Das präzise Seziermesser der Verfremdung, wie es die harte Science Fiction zu führen versteht, gehört nicht zum Instrumentarium dieser Literatur. Sie ist laut, sie ist vulgär und manchmal sieht sie chromlackiertem Trash zum Verwechseln ähnlich. Wäre es ihr möglich, sie wäre das Gegenteil von Literatur. Gerade deswegen aber besitzt sie enorme Erschliessungskraft für eine Wirklichkeit, die eigentlich keine literarischen Strukturen, kein Raisonnement, keine klassischen Handlungsbögen und keine Tragik mehr besitzt, eine Wirklichkeit, in der Schreiben nicht mehr als eine grafische Repräsentation von Algorithmen ist. Wenn sich die literarische Kultur also ganz und gar in Daten verwandelt haben wird, dann ist der Cyberpunk das, was von dieser Kultur übrigbleibt: ein Hack in Romanform, die Demolierung von Codes, die Zweckentfremdung der Rechner, die ja eigentlich nicht erzählen, sondern eben rechnen sollen. Die programmatische Grösse des Cyberpunk besteht genau darin, dass er aus einer Welt zu uns spricht, in der die Kulturtechnik des Erzählens nur noch eine unter den Daten verschüttete Erinnerung darstellt, die erst aus den Abfällen der digitalen Realität, aus dem Datenmüll gerettet werden muss, ehe man von ihr Gebrauch machen kann.
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