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The notion of living art, of statues and paintings that spring to life, or film heroes who suddenly step out of the silver screen rests on an age-old fantasy, the seductive fantasy of being able to breathe life into things or creatures that we have dreamed up and created, exactly as we wished them to be.
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Die Vorstellung von lebendiger Kunst, von sich bewegenden Statuen und Gemälden oder Kinohelden, die plötzlich aus der Leinwand in den Zuschauerraum schreiten, mag ein alter Wunschtraum sein. Es ist ein schöner Gedanke, Dingen, die wir uns selbst ausgedacht und präzise zurechtgelegt haben, Leben einhauchen zu können. Genau dieser Wunsch erfüllt sich in «Le Tableau» von Jean-François Laguionie: Die Figuren eines Gemäldes erwachen zum Leben. Allerdings präsentieren sich die Charakterzüge dieser Gestalten nicht unbedingt edler als die der Wirklichkeit. Sie sind herrschsüchtig, eitel und rücksichtslos. Sie fühlen sich minderwertig behandelt und ausgestossen, da ihr Schöpfer den Pinselstrich nicht bis zum Ende geführt hat. Die Figuren machen sich auf, den Künstler des Gemäldes aufzusuchen und ihn dazu zu bringen, sie zu vollenden. Eine temporeiche und abenteuerliche Flucht beginnt. Dabei reissen die Figuren aus dem Bild in den Realraum des Ateliers aus, um danach wieder in andere Bilder einzutreten. Doch als die Ausbrecher ihren Urheber finden, werden sie bitter enttäuscht. Der Künstler hat die Figuren absichtlich unvollständig belassen und gedenkt nicht, sie zu vervollkommnen. So nehmen sie ihr Schicksal in die eigenen Hände, um gegen die Diskriminierung anzukämpfen. In der zum Nachdenken anregenden Schlussszene sucht eine der Gemäldefiguren den Maler erneut auf und unternimmt einen weiteren Anlauf. Auf dessen Frage, wohin sie gehe, antwortet sie: «Ich will jetzt herausfinden, wer DIESES Bild gemalt hat.» (as)
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