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That this combative rhetoric, which bolsters power, however, in large parts of the world, recalls “the discourse of race struggle" (Foucault)12 is by no means a coincidence. Through this genealogical description, Foucault wanted to draw attention to contemporary successors of this discourse. We are dealing, now as then, with universalistic, ruling, equalizing rhetorics of winners on the one hand, and with particularistic, colonized, protesting discourses of losers on the other. What Foucault calls “Roman history” is, here, western rationality, flanked by human rights; what was conceived as “race war” (and, later, class war) there, that driving, smouldering, subterranean force behind the peace achieved through treaties, is here the hegemonic struggle that subalterns and minorities lead against the might of Eurocentrism, the new empire or against the majority. Motivated by difference and identity politics, the “rehistoricization of the forgotten ones” today takes the place that “Jewish history” – according to Foucault – had once claimed for itself.
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Ontologischer, epistemologischer und ethischer Universalismus: transkulturelle Konzeptionen von Subjekt, Wahrheit und Handeln. Dieser Trias des vernunftbezogenen Allgemeinen steht eine Vielzahl von verstreuten Einwänden gegenüber, die auf den Vorrang des Partikularen pochen, ein Recht auf Kultur einfordern und die Kontextualität von Subjekt, Wahrheit und Handeln postulieren. Dass diese widerständige, in großen Teilen der Welt jedoch machterhaltende Rede an den „historischen Diskurs des Rassenkriegs“ (Foucault)[12] erinnert, ist wohl kein Zufall, wollte Foucault mit seiner genealogischen Beschreibung doch auf zeitgenössische Nachläufer dieses Diskurses hindeuten. Damals wie heute haben wir es mit universalistischen, herrschenden, nivellierenden Sieger-Reden auf der einen, mit partikularistischen, kolonisierten, aufbegehrenden Diskursen von Besiegten auf der anderen Seite zu tun. Was Foucault „römische Geschichte“ nennt, ist hier die von Menschenrechten flankierte westliche Rationalität; was dort als „Rassenkrieg“ (später: Klassenkampf) begriffen wurde, die treibende, unterirdisch schwelende Kraft hinter dem Frieden von Verträgen, ist hier der hegemoniale Kampf, den Subalterne und Minderheiten gegen die Macht des Eurozentrismus, des neuen Imperiums oder gegen die Mehrheit führen. Die von Differenz und Identitätspolitik motivierte „Rehistorisierung der Vergessenen“ nimmt heute den Platz ein, den einst – so Foucault – die „jüdische Geschichte“ für sich beansprucht hatte.
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