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Ausländische Verlage lukrieren Gewinne aus dem Verkauf von übersetzten Printpublikationen. Sie erhalten von Vertrags wegen neben dem Vorschuss auch Prozente auf den Verkauf. Einige glauben, dass eine Creative-Commons-Lizenz, weil sie die Vervielfältigung und in unserem Fall ein frei zugängliches PDF zulässt, zu weniger verkauften Printpublikationen führt, was geringere Einnahmen zur Folge hätte. Es gibt allerdings keine überzeugenden Studien dazu, dass die freie Verbreitung eines Textes, die immer ein breiteres Publikum mit sich bringt, eine mögliche Verringerung der Verkäufe nicht wettmachen würde. Tatsächlich sorgen allgemeine Prekarität und Konsumzwang dafür, dass es sich die Leute gut überlegen, welche Texte sie kaufen. Ein verfügbares PDF kann bedeuten, dass sich Personen, wenn sie den genauen Inhalt eines Textes kennen, für eine Investition entscheiden: manche Bücher durchzusehen kann Interesse an weiteren wecken und zur Entscheidung führen, einige davon zu kaufen oder zu verschenken. Einem kleinen Verlag wie dem unseren verleiht die Tatsache, dass ein Buch im Internet verfügbar ist, eine Sichtbarkeit, die mit traditionellen Marketinginstrumenten niemals erreicht werden könnte. Wir glauben, dass ein Verlag, der uns ein Buch mit Copyright verkaufen würde, weniger Gewinne erhielte, als wenn er es uns mit einer Creative-Commons-Lizenz abtritt. Die größere Verbreitung eines Textes erhöht den Absatz von Printpublikationen und führt damit zu mehr Einnahmen. Wir können dies als in Wirklichkeit unbezahlbaren Preis für die Verkaufsförderung begreifen. Im letzten Teil werden wir nochmals darauf zurückkommen, was es bedeutet, Texte im Hinblick auf die Leser_innenschaft zu befreien und welche möglichen und üblicherweise unterschätzten Rückflüsse dies generiert.
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