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Im Fernsehen aufzutreten ist immer mit dem Risiko verbunden, den herrschenden Signifikationen und Subjektivierungen bereits in die Falle gegangen zu sein, was auch immer man sagt und was auch immer man tut. Du sprichst, aber du läufst Gefahr, nichts von dem zu sagen, was dir wirklich ein Anliegen ist. Alle Äußerungsdispositive unserer demokratischen Gesellschaften sind mehr oder weniger ausgeklügelte Variationen dieser Subjektspaltung, aufgrund deren sich das Subjekt der Äußerung in einem Aussagesubjekt widerspiegeln muss: Umfragen, Marketing, Wahlen, politische und gewerkschaftliche Repräsentation, und anderes mehr. Als WählerIn wird man dazu aufgefordert, der eigenen Meinung als Subjekt der Äußerung Ausdruck zu verleihen, aber gleichzeitig wird man bereits als Subjekt der Aussage gesprochen, denn die eigene Redefreiheit beschränkt sich auf die Auswahl zwischen vorweg kodifizierten Möglichkeiten. Wahlen setzen – ebenso wie Umfragen, Marketing, gewerkschaftliche und politische Repräsentation – einen vorab hergestellten Konsens, eine Vorverständigung in Bezug auf Fragen und Probleme voraus, zu denen man nicht um die eigene Meinung gefragt wurde. Je mehr man sich ausdrückt, je mehr man spricht, je mehr man sich in die Interaktivität der Kommunikationsmaschine hineinbegibt, desto mehr verzichtet man darauf, das zu sagen, was man zu sagen gehabt hätte, weil man durch die Kommunikationsdispositive von den eigenen kollektiven Äußerungsgefügen abgeschnitten und an andere kollektive Gefüge (in diesem Fall das Fernsehen) angeschlossen wird.
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