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Im November 1939 wurde ich erstmals zum Militärdienst einberufen, erhielt aber bis auf weiteres Freistellung auf Antrag des Arbeitschefs mit [der] Motivierung, dass ich bereits in der Kriegsindustrie arbeitete. Eines Tages stand ein Werkspolizist hinter mir, mit dem ich in die Schule gegangen bin, um mich zu kontrollieren und zu provozieren. Ich sagte zu ihm, er solle verschwinden. Er sagte, er müsse die "roten Jünglinge" besonders überwachen. Da nahm ich einen Schraubenschlüssel und ging auf ihn los. Er ging zur Kanzlei und telefonierte. Nach kaum zehn Minuten waren vier SS-Leute da, die mich ins Hauptquartier brachten. Dort musste ich mir zuerst anhören, welche Lügen der Werkspolizist über mich erzählt hatte. Mit mir machte die SS nur ein ganz kurzes Verhör: "Sie sind angeklagt wegen Arbeitsverweigerung und Racheausübung gegen die Polizei." Gleich darauf nahmen mich zwei SS-Männer unter die Arme und führten mich in ihr Lokal. Dann schrie der eine: "Oberkörper frei machen und auf die Bank legen!" Danach wurde ich gebunden, und beide schlugen mich mit der Peitsche auf den Rücken, bis das Blut rann. Ich wurde bewusstlos vor Schmerzen. Als ich wieder wach wurde, schleppten die beiden SS-Leute mich aus dem Raum und setzten mich auf einen Sessel vor den Hauptsturmführer. Der sagte, es sei nicht das letzte Mal, dass ich eine Strafe bekommen habe. Dann musste ich unterschreiben, dass ich meine Rückenverletzung durch einen Betriebsunfall bekommen habe. Bevor ich gehen durfte, warnte man mich, dass ich schweigen muss: "Sie wissen ja, dass Ihre ganze Familie auf der schwarzen Liste für Dachau steht!" Als ich nach Hause kam, fragte mich meine Mutter, wieso ich so bleich aussehe. Als sie mein blutiges Hemd, das festgeklebt war, sah, bekam sie einen Schock. Ich habe alles meinen Eltern erzählt, aber wir mussten schweigen. Bis zu meiner Einberufung war die Werkspolizei jedes Mal, wenn ich krank gemeldet war, mit dem Fiebermesser bei mir zuhause. 39 Grad war kein Fieber – rein ins Auto und zur Arbeit! In manchen Augenblicken war ich bereit zum Selbstmord.
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