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Und deswegen: mich schreckt das Wort Krise nicht. Ja, meine Damen und Herren, in unserer Wohlstandsgesellschaft kriegen wir Entscheidungen – im Sinne von Veränderungen – nur zustande, wenn die Notwendigkeit dazu besteht. Das nennt man Krise. Weil wir in der Welt der Globalisierung mit diesen unglaublich schnellen Veränderungen, diesem Innovationstempo leben. Manchmal kann man fragen, ist der Mensch dieser schnellen Evolution überhaupt gewachsen? Das wäre vielleicht für nächstes Jahr, Herr Oberbürgermeister, ein großes Thema. Alles wird immer mehr beschleunigt; das betrifft unsere Sozialstrukturen, und unsere politischen Strukturen auch. Jedenfalls müssen wir uns in dieser Welt durch ständige Anpassung immer neu behaupten und bewähren. Nichts, was wir in der Vergangenheit erworben haben, ist für die Zukunft gesichert. Aber das ist nicht neu, das hat Goethe schon gesagt – den darf man zitieren: „Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.“ Und Popper hat uns gelehrt, die freiheitliche, die offene Gesellschaft ist der nicht-freiheitlichen überlegen, weil sie die Fähigkeit hat, aus Fehlern, aus Irrtümern, immer neu zu lernen: trial und error. Und wenn wir dann Menschen haben, die ihre Verantwortung exemplarisch tragen und sich engagieren – und die hat Europa immer gehabt –, dann ist mir um die europäische Zukunft nicht bange. So wenig, wie um die Stabilität der europäischen Währung. Und deswegen freue ich mich, Mario Draghi, dass wir heute einen Großen mit diesem bedeutenden Preis ehren. Herzlichen Dank!
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