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So unterschiedliche Dinge wie die handarbeitlichen Spitzenmuster und das Klassifizierungssystem der Organismen, das Carl von Linné in seinem Werk Systema naturae (1. Aufl. 1735) entwickelte, bieten Kangasmaa ein Mittel zur Betrachtung der Ähnlichkeiten im Systemdenken. Die ersteren repräsentieren das mikrohistorische stille Wissen, das letztere eine „Superstory” der wissenschaftlichen Systematik. In ihrem Werk Queen Anne’s Lace – Original Copy (2009) erörtert Kangasmaa die von Kunstwerken geforderte Originalität und Authentizität. Die aus dem Wickeldraht elektrischer Geräte gehäkelte Pflanzenpopulation, die sich auf einem großen weißen Podest ausbreitet, enthält ein Netzwerk vielschichtiger Verweise. Die an Waldkerbel erinnernde Blüte der heute als Queen Anne’s Lace bekannten wilden Karotte (lat. Daucus carota) bildete das Vorbild für ein Häkelspitzenmuster, das sich abwandelte und durch zahlreiche Hände und Musterbücher verbreitet wurde, ein Wissenschaftler benannte die Pflanze nach dem Spitzenmuster, die Bildhauerin humanisiert die Natur und macht sie durch die Handarbeit zu einem Teil der menschlichen Wirklichkeit. Der Untertitel des Werks, Original Copy, macht deutlich, dass die Installation sowohl etwas Existierendes nachbildet als auch etwas Einzigartiges schafft. Ein Kunstwerk hat einen Urheber, ein Gegenstand der Natur nicht – sofern man nicht mit religiösen Begriffen von Gott oder mit wissenschaftlichen Termini von einem sich selbst aufrechterhaltenden Ökosystem spricht. Die szenische Präsentation des Werks hebt hervor, dass es nicht um die natürliche Natur geht, sondern um eine konstruierte und abstrahierte Situation, in der der Mensch im ästhetischen Erleben ein Nutznießer der Natur ist. Der Instrumentalwert, den der Mensch der Natur gibt, schließt freilich die Möglichkeit nicht aus, die Natur um ihrer selbst willen zu schätzen, unabhängig von ihrer Nützlichkeit.
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