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Die Beziehung zum Land stärkenWer bei Le jardin potager mitmacht, absolviert - wie bei den meisten ähnlichen Initiativen - Arbeitseinsätze im Feld oder beim Befüllen der Körbe und gewinnt so einen konkreten Einblick in die Entstehungsgeschichte der eigenen Nahrung. Zudem stärken gesellschaftliche Anlässe die Beziehung zum Land und zur Gemeinschaft: Man pflanzt eine Obsthecke, sät Getreide, besichtigt das heranreifende Korn, bäckt später Brot daraus, besucht Bauernhöfe und feiert Gourmetfeste.Drei Gemeinschaftsprojekte bestehen bereits seit über 30 Jahren: Les Jardins de Cocagne starteten 1978 bei Genf, Agrico 1981 auf dem Birsmattehof bei Basel und La Clef des Champs 1982 bei Pruntrut im Jura. Aber erst seit etwa 10 Jahren treibt die Vertragslandwirtschaft zahlreiche Knospen. Ab 2005 schossen in der Romandie sowie in diversen Kantonen der Deutschschweiz Dutzende von Kooperativen aus dem Boden, vor allem im städtischen Umfeld. Sie unterscheiden sich im Kern oder in der Ausgestaltung entsprechend ihrer Entstehungsgeschichte. Ortoloco beispielsweise entstand 2010 in Zürich. Die Gründergruppe wollte eine neue Form des Wirtschaftens verwirklichen. Dazu pachtete sie Land auf einem Biohof in der Agglomeration. Unter Anleitung von fest angestellten Fachkräften gärtnern Mitglieder der regionalen Gartenkooperative teils intensiv mit. Eine Betriebsgruppe aus 7 bis 8 Leuten besorgt die laufenden Geschäfte.Kein Druck zur Massenproduktion«Selbstversorgung ohne eigenen Garten ist eine tolle Sache», schwärmt Betriebsgruppenmitglied Tina Siegenthaler. «Man gestaltet etwas mit; das bringt Freude und Bestätigung und zudem das beste Gemüse, das man essen kann.» Ihr gefällt es, Anfang Jahr zu kalkulieren, welche Mengen es zur Versorgung der 450 bis 500 Beteiligten braucht und wie viel das pro Kopf kostet. «Wir kaufen nicht einfach die Nahrungsmittel, sondern finanzieren ihre Herstellung», erläutert sie. Damit entfalle der Druck zur Massenproduktion. Das Risiko tragen alle gemeinsam. Der Spass kommt dabei nicht zu kurz, wie ein Video auf der Website von Ortoloco belegt: Mit Eifer bereiten Dutzende von spatenbewehrten Erwachsenen und Kindern ein neues Stück Gartenland vor, angefeuert durch die schmissige Musik einer Liveband.Inzwischen haben sich auch Gemeinschaften gebildet, die weitere Produkte im Abo anbieten, unter anderem Eier, Fleisch, Joghurt, Öl, Getreide und Brot. Die Genfer Genossenschaft L’Affaire Tournerêve beispielsweise beliefert Haushalte und Grossküchen zweimal
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