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„Nachts ist es schön, an das Licht zu glauben.“Edmond Rostand1868-1918„Nun, da Himmel, Erde und Wind schweigen und der Schlaf Tiere und Vögel zur Ruhe bringt, führt die Nacht den gestirnten Wagen in die Runde, und ohne Welle ruht in seinem Bette das Meer. Ich wache, denke, brenne, weine…“, und das Wunder wird immer wieder in unserem Herzen vollbracht. Denn dank dem Genie großartiger Dichter wie Francesco Petrarca werden wir noch heute im 21. Jahrhundert von diesen zwar alten, jedoch ewig rührenden und anregenden Worten bewegt. Claudio Monteverdi vertonte sie in seinem wunderbaren Madrigal Hor che’l ciel et la terra und machte daraus eine ergreifende Anrufung. Durch das „recitar cantando“, so alt hergebracht und zeitlos zugleich, werden die Geheimnisse, die die Nacht in ihrer Unendlichkeit verbirgt, widerstandslos preisgegeben und berühren somit unser bezaubertes, nach Schönheit strebendes Herz zutiefst.Diese geheimnisvolle Nacht weiß die Stille, dieses so grundlegende Element der Musik, für sich allein aufzunehmen. So enthüllt die Nacht die innigsten Klagen, die verborgensten Freuden und das fernste Gemurmel. Auch dann entdecken wir das Schimmern des Mondes und der Sterne, das unser Bewusstsein als Teil der Unermesslichkeit des unendlichen Weltalls erweckt. Dadurch werden unsere Gedanken klar, und unsere Phantasie findet zu ihrer Freiheit zurück, die es uns ermöglicht, alles zu erreichen, was unser Herz begehrt.Die Nacht ist das Wohl der Seele, schreibt der arabische Dichter aus dem 10. Jahrhundert in einer der Erzählungen aus „Tausendundeiner Nacht“. Eine magische Zehl, diese 1001 Nächte, die wie ein kurzer Augenblick im Leben vorkommen, der weniger als drei Jahre dauert – genau 2 Jahre und 271 Nächte. Plötzlich überkommt mich der Gedanke, dass ich das Glück hatte, Tausendundeine Nacht über zwanzig Mal erlebt zu haben. Kindheitsnächte voller wunderbarer Entdeckungen, aber auch traurige Nächte, von Kriegsangst und Ungewissheit vor der Zukunft geplagt. Jugendnächte, von der Entdeckung und dem Kennenlernen der Liebe, der Freundschaft und des warmen Klangs des Cello beseelt. Klare Nächte im Frühling 1965 voller unvergesslicher Begegnungen mit der großen Liebe, der Gambe und ihren in Vergessenheit geratenen Melodien. Sternennächte in den Gärten des Klosters Pedralbes in Barcelona, wo ich mit Montserrat Figueras beschloss, unsere gemeinsame Reise in die Zukunft zu unternehmen, die noch ungewiss, aber auch voller Zuversicht und Hoffnung war, fest entschlossen,
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