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Diese Haltung wird uns Gottgeweihte fruchtbar machen, vor allem aber wird sie uns vor einer Versuchung bewahren, die unser geweihtes Leben steril machen kann: vor der Versuchung des Überlebens. Ein Übel, das sich nach und nach in uns, im Innern unserer Gemeinschaften einnisten kann. Die Haltung des Überlebens lässt uns reaktionär und ängstlich werden, sie führt uns dazu, dass wir uns langsam und lautlos in unseren Häusern und unseren Voreingenommenheiten verbarrikadieren. Sie wirft uns zurück auf die ruhmreichen – aber vergangenen – Taten. Das jedoch erweckt durchaus nicht die aus den Träumen unserer Gründer geborene prophetische Kreativität, sondern sucht auf Nebenwegen den Herausforderungen auszuweichen, die heute an unsere Türen klopfen. Die Psychologie des Überlebens nimmt unseren Charismen die Kraft, denn sie führt uns dazu, sie zu „zähmen“ und „leicht zugänglich“ zu machen, beraubt sie damit aber jener kreativen Kraft, die sie freisetzten. Sie bewirkt, dass wir lieber Räume, Bauwerke oder Strukturen bewahren wollen, als neue Prozesse ermöglichen. Die Versuchung des Überlebens lässt uns die Gnade vergessen, sie macht uns zu Fachleuten des Sakralen, nicht aber zu Vätern, Müttern oder Brüdern und Schwestern der Hoffnung, die zu weissagen wir berufen sind. Dieses Klima des Überlebens verhärtet die Herzen unserer Alten. Sie nimmt ihnen die Fähigkeit zum Träumen und macht auf diese Weise die Prophetie unfruchtbar, die zu verkünden und zu verwirklichen die Jüngeren berufen sind. Kurzum, die Versuchung des Überlebens verwandelt in Gefahr, in Bedrohung und in Tragödie, was der Herr als eine Gelegenheit zur Mission vor uns hinstellt. Diese Haltung ist nicht auf das geweihte Leben beschränkt, doch wir sind in besonderer Weise aufgefordert, uns davor zu hüten, in sie zu verfallen.
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