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Von diesen höchst unterschiedlichen Stadien halte ich die Übergangsprojekte aus der Mitte der 1990er Jahre für die verwirrendsten, aber auch erhellendsten. In diesen Gemäldeserien entdeckt man in den harten Linien und Kanten der männlichen Körper nicht mehr länger die Wut, die Anklage, den Protest und die frontale Kritik, die in den Protestserien der ersten Phase dargestellt sind, aber wir finden auch noch nicht das abgelöste und ausgelassene Gelächter über die Vortäuschung und Vergeblichkeit des „Zusammenseins“ der jüngsten Projekte. Dagegen sieht man gesetzte, aber verführerische und performative Gesten von Figuren aus der Vergangenheit, einen Seemann mit Gitarre, ein Schulmädchen und eine nach der taiwanesischen Mode der 1950er und 1960er Jahre gekleidete Frau, Bildzitate, die von den Plakaten der Zigarettenwerbung der 1930er Jahre in Shanghai stammen, das Gemälde eines Marktplatzes aus den 1950er Jahren des lokalen taiwanesischen Malers Li Shiqiao und ein Filmplakat von Hou Xiaoxian über die Geschichte einer Kleinstadt in den 1960er Jahren. Die Kulisse eines Pseudo-Fotostudios, die stilisierten Rokoko-Studiobauten, die bekannten TouristInnenattraktionen der Frühlings- und Herbstpavillons von Zuoying in der Nähe des Militärlagers von Kaohsiung erzählen über die Zeit der 1950er und 1960er Jahre in Taiwan. Diese komplizierten Zitate und Montagen von Bildern aus verschiedenen Zeiten verweisen alle auf jene Momente der 1950er und 1960er Jahre, in denen die Leute vom Festland, wai-sheng-ren, den lokalen Taiwanesen, ben-sheng-ren, begegneten, und auf die Zeit, in der alle diese Probleme ihren Ausgang nahmen. Diese Begegnungen sind voll von zweideutigen Annäherungen und Verschwörungen. Frauen vom Festland, die im Shanghai-Stil gekleidet sind, Frauen, die im japanischen Bildungssystem erzogen wurden und in dezente Schuluniformen gekleidet sind, ein feminisierter Seemann, der eine Gitarre hält und dessen Geschlechtsorgan aus der Hose steht, und Familienszenen mit verführerischen Gesten: Alles deutet eine Art von schwarzem Humor und dunkler Erotik hinter dem gelassenen Szenario eines vertrauten Raumes an.
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