|
|
Nach Gabriel Tarde ist das logische Potenzial des Satzes wirksamer als die Logik des Diskurses, weil sie weniger Details in ihrer Singularität vernachlässigt. „Ein Satz hat mehr Logik als eine Rede, das Kleine mehr Logik als das Große. Um ein Phänomen zu verstehen, muss man nicht so sehr in die Höhe steigen, bis man einen panoramischen Blick auf das große Ensemble hat, sondern es gilt im Gegenteil, bei der Singularität des Details, des kleinen Unterschieds eines jeden Phänomens zu verweilen.“ [6] Was aber ist diese Logik des Satzes, des Details im Bewegungsbild? In der Montage beginnt man zunächst, Bilder zu sichten und sie gegebenenfalls mit Erfahrungen vom Drehort abzugleichen. In dieser Sichtung treten meistens neue, unvorhergesehene Ereignisse auf: Einzelne Aufnahmen werden zu Schlüsselbildern und für die Konstruktion der Erzählung bedeutend. Sie weisen über den Raum ihrer Aufnahme hinaus, lösen sich von ihm, verweisen auf andere Räume, Zusammenhänge, Zeiten und Potenziale. Sie beinhalten ein Mehr an Realität, das andere Realitäten aufruft, ein Potenzial der Verknüpfung, das in der mikroskopischen Materie des Bildes liegt und als Intensität wahrgenommen wird, die unser Gedächtnis mobilisiert. Diese „Satzlogik“ in der Bildproduktion agiert ähnlich wie das logische Potenzial des Namens bei Walter Benjamin: „Der Name“, so Benjamin, ist „nicht allein der letzte Ausruf“, sondern „der eigentliche Anruf der Sprache“[7]. Dies folgt einer Logik, die nicht nur bezeichnet, sondern verweist und sendet.
|