|
|
Eric Besson hat angekündigt, dass die Zwangsabschiebungen von Frankreich und Großbritannien gemeinsam organisiert werden könnten; dass ihn nichts an so einem Vorgehen hindern würde und er sich nur versichern müsste, dass die Aufnahmebedingungen bei der Ankunft in Kabul erfüllt seien. So kommen also die Ausweisungen der Afghanen zu den 17.350 Abschiebungen hinzu, die zwischen dem 1. Januar und dem 31. Juli 2009 in Frankreich vollzogen wurden. Das macht insgesamt 28.000! Einen Charter in ein Land im Kriegszustand zu schicken, ist aber nicht so einfach. MenschenrechtsaktivistInnenen aller Art, Vereine und ParlamentarierInnen, die GarantInnen für dieses «Frankreich, das Land der Menschenrechte», steigen auf die Barrikaden, organisieren Versammlungen und bringen Petitionen und Flugblätter in Umlauf. Am 6.Oktober 2009 wird am Flughafen Lille-Lesquin ein angekündigter Charter abgesagt, nachdem sich 300 Protestierende am Flughafen versammelt haben. Mitte Oktober hat die englische Regierung, zum ersten Mal seit 2003, einen Charter mit 44 Menschen irakischer Herkunft an Bord nach Bagdad losgeschickt. Bei der Ankunft sind nur 10 Personen aus dem Flugzeug gestiegen; die anderen mussten wieder nach London zurückgeflogen werden.4 Am 21. Oktober hat ein gemischter Charter, zusammengestellt von Frankreich und Großbritannien, den Flughafen Paris-Roissy in Richtung Kabul verlassen. Vier der Afghanen, die in diesem Transport vorgesehen waren, wurden auf französischem Territorium aufgegriffen. Einer von ihnen weigerte sich, ins Flugzeug zu steigen: Er ist der Einzige, der nicht abgeschoben wurde5. Es gibt noch viele Afghanen in den Abschiebezentren, die irgendwann abgeschoben werden sollen; die meisten von den Hunderten, die im «Dschungel» festgenommen wurden, sind jedoch freigelassen worden. Manche von ihnen, angewidert vom wiederholten Zurückweisen ihrer Gesuche von den Behörden und enttäuscht vom Empfang in diesem Frankreich mit dem Markenzeichen «Asylland», sind an die Ufer des Ärmelkanals zurückgekehrt. Sie versuchen, die französisch-britische Grenze zu überschreiten und geraten so wiederum in Polizeigewalt. Andere, in Marseille oder Nîmes, kämpfen weiter gegen die Behörden an, um Asyl in Frankreich zu erhalten - trotz wiederholter Abweisungen. Ihr größtes Hindernis zum Erfolg sind die berühmten Abkommen von Dublin II.
|