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Übersetzen ist eben darum eine «exakte Kunst», weil wir anhand konkreter Beispiele aus unserer Übersetzung eines bestimmten Werks zeigen können, auf welcher Strategie diese oder jene Lösung beruhte. Übersetzernachworte, eine leider noch zu selten genutzte Möglichkeit der Übersetzer, sich und ihre Arbeit sichtbar zu machen, bieten anschauliches Material für die vielfältigen Entscheidungen, die im Übersetzungsprozess getroffen werden müssen. Einige Beispiele: Dagmar Ploetz, die Garcia Marquez weltberühmten Roman Hundert Jahre Einsamkeit neu übersetzte, hat die unterschiedlichen Tonlagen des Romans stärker herausgearbeitet. Sie sagt: «Die Begeisterung für das Neue, Besondere, das der Übersetzer im Werk entdeckt, kann ihn dazu verführen, das Farbige noch farbiger auszumalen, exotische Anmutungen in den Vordergrund zu rücken. Mein Vorsatz war, den unterschiedlichen Stilebenen des Romans und der durchaus auch vorhandenen Nüchternheit und Lakonik gerecht zu werden. Curt Meyer-Clason schrieb ein sehr reiches Deutsch, das sich noch sämtlicher Register des Romans aus dem 19. Jahrhundert bediente. Eine stilistische Prägung, die dazu führt, dass seine Übersetzung für das heutige Ohr streckenweise ein wenig altertümlich klingt.» Hier haben wir ein Beispiel für das Altern von Übersetzungen. Nun drei Beispiele, die zeigen, wie unterschiedlich Übersetzer mit dem Problem von Dialekt oder Soziolekt im Original umgehen: Moshe Kahn über seine Übersetzung von Pasolinis Ragazzi di vita: «Ziemlich bald wurde mir klar, dass der Umgang mit einem deutschen Dialekt – das Berlinerische hatte sich für eine deutsche Entsprechung des Römischen verführerisch aufgedrängt – ausgeschlossen werden musste. Gefragt war ein allgemeinverständlicher Jargon, der dem Text das ‚Römische‘ belässt. So entwickelte ich Sprechweisen, die zwar keiner gängigen deutschen Ausdrucksweise entsprechen, aber durchaus dazu werden könnten.» Peter Sacher übersetzte Jáchym Topols Engel Exit: «Um die ideell-ästhetische Funktion der ‚Hässlichkeit‘ und ‚Natürlichkeit‘ der Originalsprache zu erhalten, habe ich mich entschieden, das Allgemeintschechische durch einen deutschen Großstadtdialekt zu ersetzen, das Berlinische.» Ulrich Blumenbach über seine deutsche Fassung von David Foster Wallaces Unendlicher Spaß: «Black American English ist eine Varietät der englischen Sprache, vor der man als Übersetzer fast nur kapitulieren kann. Man muss sich davor hüten, es als eine Art Gastarbeiterdeutsch zu übersetzen, wie das frühe
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