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Diese Erfahrung steht im Gegensatz zu allen adaptiven Visionen der psychiatrischen Praxis, die aus psychischen Erkrankungen entweder körperliche Defizienzen macht, deren Auswirkungen chirurgisch und medikamentös gelindert werden können (wie es die wissenschaftlichen Fortschritte mehr und mehr erlauben), oder aber kulturelle Defizienzen, die mit dem Mangel an einem Grundstock jener typischen Kenntnisse verknüpft sind, über welche die Mitglieder der „Aufnahme“-Gesellschaft, das heißt der herrschenden Gesellschaft, verfügen. Diese zweite Hypothese ist umso weniger annehmbar, als das Ausgangsniveau der Bildung von MigrantInnen ansteigt und die sozialen Anpassungsprobleme, die den Weg Richtung psychiatrische Anstalten weisen, auch MigrantInnen der „zweiten Generation“ betreffen. Die Erfahrung des universitären Unterrichts mit diesen Jugendlichen in den Banlieues hat mir den Unterschied zwischen den Repräsentationen ein und desselben materiellen und sozialen Lebenszusammenhangs vor Augen geführt: Die Wohnsiedlungen, die „Cité“, werden wie ein Dorf erlebt, als Raum wechselseitiger Bekanntschaftsbeziehungen, der unter lokaler Kontrolle steht, während sie der Professorin als anonymer Raum erscheinen. Der Eingangsbereich in die Cité bildet den einzigen öffentlichen Raum, wo Fremde gemustert werden: Wirken sie harmlos, so bleiben sie sich selbst überlassen, werden sie aber als gefährlich erkannt, so werden sie abgewiesen; die Professorin erblickt hier einen Checkpoint. Zwischen den beiden Repräsentationen stehen sich zwei – und nicht eine – Fluchtlinien gegenüber: die feinen Modifikationen, die diese Begegnung in zwei Lebensgeschichten mit sich bringen wird. Die Übersetzung ist hier unilateral und majoritär, der Aufnahme der einen Person im Raum der anderen folgt keine Erwiderung, sondern die Einschreibung in ein Verhältnis des Unterrichts, der Übersetzung, der Integration.
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