|
|
Ich denke, zuerst müßten wir unsere Perspektive und unsere Sprache ändern, die Perspektive gegenüber unserer Geschichte und die Sprache in bezug auf unsere Wirklichkeit. Wir sollten verstehen, daß die historische Beschreibung, wonach es in Palästina einen Konflikt zwischen zwei nationalen Bewegungen gibt und es nur auf einen guten Vermittler ankommt, um beide zu versöhnen, der falsche Ansatz war. Es ist wie in der Medizin, wenn man nicht die richtige Diagnose hat, kann man nicht richtig behandeln. Wir hatten eine falsche Analyse, ich selbst auch, ich schließe mich da ein. Wir müssen sehen, daß der Zionismus eine koloniale Bewegung war. Das allein ist ja nicht allzu schlimm, sehr viele Menschen in Europa gehörten zu kolonialen Bewegungen. Der Unterschied ist: Der Kolonialismus dauert auch im 21. Jahrhundert noch an. Es ist kein nationaler Konflikt, es ist ein Konflikt zwischen einer kolonialistischen Siedlergesellschaft und der einheimischen Bevölkerung. Wenn man diese Analyse nicht annimmt, werden Friedensbemühungen nicht in die richtige Richtung gehen. Wenn man in eine koloniale Situation Frieden bringen will, braucht man Versöhnungsprozesse, Wahrheitsprozesse, nicht diplomatische Friedensbemühungen. Gebraucht wird ein Prozeß, bei dem die einheimische Bevölkerung zu den israelischen Siedlern, besonders zu denen der dritten Generation, sagt: Wir sind bereit, mit euch zu leben, trotz allem, wir sind bereit zu teilen. Wir können von Glück sagen, daß die Palästinenser das sagen. Es bedeutet, die Siedler als Teil der neuen Realität anzuerkennen, so daß die einen aufhören, Siedler zu sein und die anderen Kolonisierte.
|