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Vor vielen Jahren ritt um Mitternacht an der Kirche in Joachimsthal vorbei, in schnellstem Galopp, ein Reiter zu Pferde. Niemand erfuhr je, woher er kommt und wohin er reitet. Daher tauchte die Vermutung auf, dass er aus der Kirche komme, sodass man dort über Nacht zum Tode verurteilte Verbrecher einsperrte, um des Reiters Geheimnis zu lüften. Hierfür wurde ihnen Gnade zugesagt. Am Morgen fand man jedoch alle tot auf. Ein weiterer zum Tode Verurteilter hatte sich bei einem erneuten Versuch unter der Altardecke versteckt und überlebt. In der Kirche gab es eine Gruft, in der verstorbene Geistliche bestattet waren. Als es Mitternacht schlug, hob sich die steinerne Platte der Gruft, aus ihr entstieg die Gestalt eines Mannes, der sich entkleidete und hinter dem Tor der Kirche verschwand. Dann ertönte von außen ein leiser Ruf und Pfiff, und schon jagte der Reiter zu Pferde um die Kirche. Der Verurteilte verließ sein Versteck, ergriff einen Strumpf des Reiters, um sich wieder zu verstecken. Nach einer Weile kehrte der Reiter zurück, zog sich an, musste jedoch mit nur einem Strumpf in die Gruft. In der Früh kamen die Menschen, um nachzusehen, was mit dem Verurteilten geschehen war. Er war quicklebendig und erzählte allen, was sich zugetragen hatte. Man öffnete die Gruft und fand hierin einen toten Körper mit einem Strumpf. Nun warteten daraufhin bereits mehrere Menschen auf den Reiter. Als er erneut erschien, fragte man ihn, was er wolle. Er antwortete: „Ich bin nicht würdig!“ Seinen Körper begrub man dann auf dem Friedhof, wo er endlich Ruhe fand. Der Verurteilte wurde gemäß dem Versprechen begnadigt.
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