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Das Wort „prekär“, von der Koordination der Ile de France der Benennung „Intermittents“ hinzugefügt, ist jenes Wort, das die größten Leidenschaften und die meisten Wortmeldungen freigesetzt hat. Da gibt es jene, für die „prekär“ eine Tatsache, eine Feststellung bezeichnet (es gibt ebenso viele – wenn nicht mehr – nicht-entschädigte Intermittents, wie es entschädigte Intermittents gibt; jedenfalls verwandelt das neue Protokoll 35 % derer, die entschädigt werden, in Prekäre). Andere eignen sich das Wort mit Freude an, als eine Umkehrung der Bestimmung durch die Macht (auf dieselbe Weise wie „ArbeitsloseR“, „RMIstIn“[2], „EinwanderIn“ etc.) und als Verweigerung gegenüber der Klassifikation, in die sie gezwungen werden. Wieder andere, die die unbestimmten und negativen Konturen dieser Zuschreibung als Lähmung empfinden, verlangen nach der beruhigenden Identität der „KünstlerIn“ oder „professionellen KulturarbeiterIn“ – ebenso sehr Klassifikationen, aber solche, die ihrem Verständnis nach „positiv“ besetzt sind. Mit der KünstlerIn, der Professionalität kann man sich identifizieren, während „prekär“ eine über den Mangel erfolgende Identifikation darstellt. Es gibt auch jene, für die das Wort „prekär“ hinreichend doppel- und mehrdeutig ist, um sich einer Vielfalt von Situationen zu öffnen, die über den „Kulturbetrieb“ hinausgehen und genügend Möglichkeiten für den Klassifikationen der Macht entrinnende Werdensprozesse zulassen. Noch einmal andere fordern den Begriff einer „existenziellen“ Prekarität ein und beanstanden jenen der „ökonomischen Prekarität“. Und dann gibt es auch noch jene, für die „prekär“ den Ort bezeichnet, an dem die Klassifikationen, Zuschreibungen, Identitäten verschwimmen (zugleich KünstlerIn und prekär sein, zugleich professionell und arbeitslos sein, abwechselnd drinnen und draußen, an den Rändern und Grenzen): den Ort, an dem die Verhältnisse, indem sie unzureichend kodifiziert sind, zugleich und auf widersprüchliche Weise Quellen der politischen Unterwerfung, der ökonomischen Ausbeutung sowie auch der am Schopf zu packenden Gelegenheiten darstellen.
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The word “precarious”, added to the name “intermittent workers” of the coordination d’Ile de France, is the word that has caused passions to run highest and provoked the most vocal reactions. There are those for whom the term “precarious” denotes a fact, an assessment (there are as many non-indemnified intermittent workers as there are indemnified ones, if not more; at any rate, 35% of indemnified workers are transformed into precarious workers by the new draft agreement). Others happily embrace it, seeing it as a reversal of the terms under which power is assigned (like “unemployed person”, “errèmiste”**, “immigrant”, etc.), and as a rejection of the categories into which they are forced. Still others, paralysed by the vague, negative terms of this attribution, demand the reassuring identity of “artist” or “live-performance professional”, which are also categories but, in their minds, “positive” ones. One can identify with the artist or the professional whereas “precarious worker” is a form of identification by default. There are those too for whom the word “precarious” is sufficiently ambiguous and polysemous to open up to multiple situations that go beyond “live performance” and [for whom] it allows enough possibilities for becomings that elude the categories assigned by power. And there are yet others who demand “existential precarity” and denounce “economic precarity”. There are those for whom the term “precarious” denotes the point where categories, attributions and identities become blurred (artist and at the same time precarious worker, professional and at the same time unemployed, alternatively within and outside, on the edges, at the limits): the point where relations, since they are not sufficiently codified, are – at the same time and in a contradictory manner – sources of political subjection, of economic exploitation and of opportunities to be grasped.
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