|
|
William Kentridge: Grundsätzlich funktionieren die Filme wie vierdimensionale Zeichnungen. Manchmal bleibt die Zeichnung zweidimensional und wird als gemalter Hintergrund eingesetzt, so wie auch bei Black Box im Deutsche Guggenheim. Es gibt Projektionen auf flachen Oberflächen, die einen zeitlichen Ablauf ins Spiel bringen, der dann die Hintergründe animiert. Die Logik und die Arbeitsweise haben mit dem Zeichnen zu tun. Ich erweitere diese Möglichkeiten in die Bereiche des Filmemachens oder des Theaters. Mich interessiert, auf welche Weise das Kino und die Weiterentwicklung der Fotografie zusammentreffen können. Black Box verweist auf den Bühnenkasten des Theaters, den Experimentierraum, die "dunkle Kammer" der Fotografie, den Raum zwischen Linse und Sucher, auf die Black Box als Aufzeichnungsgerät bei Flugzeugabstürzen. Das Miniaturtheater der Black Box ist ein optisches Spielzeug, das zugleich ein Vorläufer des Kinos ist. Anstatt Akteure auf einer Bühne zu erleben, geht es hier darum, ein verkleinertes Kinder-Theater mit seiner beweglichen Maschinerie zu sehen. Auf einer formalen Ebene hat Black Box etwas mit dem Varieté des Vaudeville zu tun, das im späten 19. Jahrhundert die Ära des Kinos einläutete.
|