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Von Streetworks ist der Weg zu diCorcias nächster Serie Heads (2000-2001) nicht mehr weit. Anstatt eine hektische Straßenszene in ihrer Gesamtheit aufzunehmen, fokussiert er Scheinwerfer und Kamera nun auf eine einzelne Person. Eine alte Frau versteckt sich unter ihrem Regenhut, ein pickliger Teenager stiert ins Leere, ein schwarzer Sicherheitsmann blickt resigniert zu Boden. Niemand schaut in die Kamera. Denn niemand hat sie bemerkt. Und trotzdem glaubt man, etwas Charakteristisches in diesen Gesichtern zu sehen, etwas Wahres, Intimes. Auch wenn der Porträtierte innerhalb des Bruchteils einer Sekunde schon wieder vorbei gegangen ist. Das wirft das ganze Konzept der klassischen Porträtfotografie durcheinander. Denn was ist ein lange vorbereitetes, wohl inszeniertes Porträt wert, wenn man im Schnappschuss eines Unbekannten genauso viel erkennen kann?
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