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Die Zweiblättrige Waldhyazinthe ist allgemein bekannt als Duftpflanze der Sommernächte. Die Blüten der Grünlichen Waldhyazinthe werden ihrerseits oft als geruchlos bezeichnet, es gibt jedoch Menschen, die an ihnen einen deutlichen, wenn auch schwachen Geruch wahrnehmen. Der Unterschiede besteht nicht in der Menge der Duftstoffe, sondern in der Art. Der angenehme, berauschende Duft der Zweiblättrigen Waldhyazinthe besteht hauptsächlich aus aromatischen Estern, in den Blüten der Grünlichen Waldhyazinthe befinden sich zum Großteil hochmolekulare Verbindungen, die zu den Alkoholen gehören. Die aromatischen Ester locken vor allem Schwärmer an, während die Alkohole dem Geschmack der Eulenfalter entsprechen. Auch der Bau der Blüte ist auf bestimmte Bestäuber maßgeschneidert: Die bei der Zweiblättrigen Waldhyazinthe fast zusammen stehenden Blütenstaubfächer zwängen sich eng an die Basis des Saugrüssels der Schwärmer, die Staubbeutelfächer der Grünlichen Waldhyazinthe dagegen berühren die Augen der Eulenfalter und die Entfernung der Fächer voneinander entspricht ungefähr gerade dem Augenabstand der wichtigsten Bestäuber. Damit die Klemmkörper auch sicher ihr Objekt treffen, muss die Grünliche Waldhyazinthe sicherstellen, dass das Insekt seinen Kopf bis ganz an die Blüte heran schieben muss und so ist der Nektarsporn etwas länger als der Saugrüssel des Schmetterlings. Ungeachtet aller Vorkehrungen besuchen dieselben Insekten manchmal die Blüten beider Arten an Stellen, wo diese gemeinsam wachsen. Kreuzungen entstehen ab und an, sie sind jedoch sehr selten. Und wie zu erwarten, sind ihre Erkennungsmerkmale ungefähr die Zwischenform zwischen den Stammarten.
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