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Es beginnt mit einem Verbot. Mit einer der vielen Reglementierungen, denen wir tagtäglich begegnen - die so zahlreich sind, dass wir sie nur noch abscannen und kaum mehr wahrnehmen. do not walk outside this area heißt die Ausstellung, die Roman Ondák als "Künstler des Jahres" der Deutschen Bank 2012 für das Deutsche Guggenheim konzipiert hat. Die titelgebende Anweisung, sich nicht außerhalb eines bestimmten Bereiches zu bewegen, stammt in diesem Fall allerdings von einem Ort, an dem sie den meisten Menschen völlig absurd erscheint: Jeder kennt die Markierungslinien auf Flugzeugflügeln, die man aus dem Kabinenfenster sehen kann, in der Parkposition am Flughafen oder über den Wolken. Und es sind fast immer dieselben Gedanken, die einem bei dem Satz "do not walk outside this area" durch den Kopf schießen: "Wie könnte ich in 10.000 Meter Höhe auf einem Flugzeugflügel herumlaufen?" Und: "Wie wäre es wohl, dies wirklich zu tun?" Paradoxerweise löst dieses seltsame Verbot Fantasien aus. Obwohl wir Passagiere sind und eigentlich davon ausgehen müssen, dass sich die Anweisung lediglich an Mechaniker richtet, fühlen wir uns unweigerlich angesprochen. Ondák nutzt diesen Mechanismus ganz bewusst. In seiner Ausstellung führt er den Besucher klammheimlich, mit subtilem Witz und ohne jeden didaktischen Druck dorthin, wo er für Gewöhnlich eigentlich nicht sein sollte: Auf die andere Seite der Linie, in jenen "verbotenen" Bereich, in den nur unsere Gedanken und Fantasien reichen.
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